Das Ruhrgebiet ist im Jahr 2010 Europa’s Kulturhauptstadt. Cool. Bei Kultur denke ich an Lesungen der Weltliteratur, monumentale Theatervorstellungen in angemessener Umgebung . Ein Amphitheater würde sicherlich gut rüberkommen. Und was machen wir zum Thema Kultur? Bunte Lichtspielchen in ehemaligen Industriebrachen oder nächtliche Bootsfahrten auf den künstlichen Wasserstraßen von einem ehemaligen Industriehafen zum nächsten. Das schaurigste Highlight ist meiner Meinung nach, die legalisierte Schmiererei auf den Schallschutzwänden der A 40. Das sah auf der Berliner Mauer schon scheiße aus. Aber die hat man dann ja auch eingerissen. Haben wir vielleicht gar keine Kultur? Ok, wenn man jemanden ausserhalb dieser schönen Region fragt:,, Was fällt dir zum Thema Ruhrgebiet ein?” Bekommt man in der Regel dieselben Antworten. Qualmende Fabrikschlote, Zechen und Fußball! Zum Thema Fußball will ich mich hier an dieser Stelle gar nicht äussern. Qualmende Schlote habe ich glaube ich, die letzten 30 Jahre nicht mehr gesehen. Und Zechen? Das letzte große Bergwerk hat 1985 die Pforten geschlossen. Wo kommt der Irrgedanke her, daß im ganzen Ruhrpott der Ruß zentimenter hoch auf den Fensterbänken liegt? Die Idylle des Taubenvatters der nur im Feinrippunterhemd bekleidet, Samstagnachmittag mit ner Pulle Bier im Schrebergarten Schalke im Radio hört, ist auch längst Geschichte. War das in den Augen der aussenstehenden unsere Kultur?
Nein, bestimmt nicht! Wir sind sicherlich ein besonderer Schlag Menschen, aber diese Klischees solltet ihr mal schnell ablegen. Wusstet ihr eigentlich das wir die meisten Universitäten und Hochschulen haben. Wir sind das Tor zum Münsterland. Das Land der tausend Berge fängt unmittelbar hinter Dortmund an. Wir sind zwar ein Ballungsgebiet, aber im Gegensatz zu Frankfurt, Berlin oder Hamburg haben wir prozentual gesehen, die meisten Grünflächen. Wir haben das größte ausgebaute Radwegenetz. Mit dem Baldeneysee im Westen, dem Hengstey- und dem Harkortsee im Südosten und den Halterner Seen im Norden haben wir, wenn man die diversen Zuflüsse mitrechnet, die größte Wasseroberfläche aller Bundesländer. Wir haben im Umkreis mehr Wasserschlösser und Burgen als beispielsweise Österreich. Unsere Region ist weltweit führend in der Entwicklung und Herstellung von Filtertechniken.
Und was hat das mit Kultur zu tun, werdet ihr euch fragen?
Unsere Kultur bestand immer darin, niemanden wegen seiner Herkunft oder seines Aussehens auszugrenzen. Immer zusammenzuhalten. Wenn hier ein Nachbar einen Sandhaufen vor der Tür liegen hat, stehen die Jungs mit der Schüppe parat. Kultur ist auch, immer wieder aufzustehen, ist man auch noch so sehr auf die Fresse gefallen. Jeder hilft jedem. Und das ist gut so. Denkt mal drüber nach!
Euer Henning
P.S. Die längste Theke der Welt steht übrigens in Düsseldorf!
« Pics am Sonntag #10 – Marathon Auftakt »
Wow, ist das toll bei Euch im Pott! Jetzt wo ich so viel Input habe freue ich mich noch mehr auf die “Pott-Currywurst”
Ich komme Euch bald besuchen.
ps. In Düsseldorf und Kölle war ich schon ein paar mal, aber meistens dann auch schön voll
Kommentar: Ralph – 20. April 2010 @ 07:10
Echt super geschrieben! Ich war noch nie im Pott. Mit diesem Beitrag hast Du mich echt neugierig gemacht.
Kommentar: Jack – 20. April 2010 @ 20:45
@ Ralph,
von wegen Köln. Wie wäre es nächstes Jahr mit dem Team Ruhrpott Schließer bei “Rund um Köln”. ? Immer Ostermontag.
Kommentar: Maddin – 21. April 2010 @ 14:22
Äääääääääääh, ich sag mal JA, warum nicht. Wo ich da Wohnen kann weiß ich ja aus meiner Karnevalszeit noch! Bei den Eltern von Janine Kunze
Ich sag dann mal noch Peter bescheid!!
Kommentar: Ralph – 21. April 2010 @ 18:54
@ Jack,
ob nun mit der Testkamera oder einer anderen. Demnächst wird es bestimmt auch ein paar Trailbilder aus dem Ruhrpott geben.
Hoffentlich sieht man auch was, is alles unter Tage.
Henning hat einen etwas verklärten Blick auf seine Heimat, eigentlich ist das grüne Zeugs nur Attrappe und wir leben in Wirklichkeit unter der Erde und schlafen in Betten aus Eierkohlen.
Kommentar: Maddin – 22. April 2010 @ 13:58
Schöne Artikel über die Heimat!
Kommentar: Jennifer – 05. Mai 2010 @ 09:58
@ Jennifer,
schön, das Du mal vorbei schaust. Ja, etwas an Lokalpatriotismus kann dem Ruhrpott ja nicht schaden.
Kommentar: Maddin – 05. Mai 2010 @ 18:46
Hab gestern wieder ne neue Halde entdeckt. Weiß aber leider nicht wie sie hieß. Habe nirgends Schilder gesehen. Irgendwo in Gelsnekirchen an der Trapprennbahn muss das gewesen sein.
Werde da mal wieder hin fahren. Die richtigen Trails habe ich da noch nicht gefunden aber mir sind zwei Downhill-Typen entgegen gekommen, in voller Montur. Da muss es da ja gute Wege geben
Kommentar: Jennifer – 06. Mai 2010 @ 08:56
Bin auch schon mal auf der Halde an der Trabrennbahn gelandet, als ich mich zwischen Zollverein und Nordsternpark verfahren hab. Tolle Trails hatte ich da allerdings auch nicht entdeckt und die Anfahrt von hier ist auch nicht wirklich attraktiv, so das es bei dem einen Mal geblieben ist.
Kommentar: Maddin – 06. Mai 2010 @ 15:16
[...] von Hennings Beitrag über unsere schöne Kulturhauptstadt 2010 habe ich gedacht es wäre doch ne schöne Sache euch mal einen Teil meiner Lieblingsroute zu [...]
Pingback: Kleine Haldentour | Jennifer Letzing – 16. Mai 2010 @ 16:41